Lilli Koisser

Solltest du deine Kund*innen auf deiner Website duzen oder siezen?

Website Du oder Sie

Ein zentrales Thema beim Erstellen eines Online-Auftrittes ist: Spreche ich meine Leser*innen und Kund*innen online besser mit Du oder Sie an? Oder noch konkreter: Soll ich vom Sie aufs Du wechseln?

Warum ich online vom Sie zum Du gewechselt bin

Ich selbst habe auf meiner Website jahrelang die Sie-Form verwendet, weil meine Zielgruppe Unternehmer*innen, Geschäftsführer*innen und Marketing Manager*innen waren (heute eher Selbstständige). Ich dachte, dass ich im B2B-Bereich die Sie-Form verwenden MUSS. Weil

  • „sich das einfach so gehört“,
  • wir im konservativen Österreich wohnen, wo Leute noch gerne mit ihrem vollen Titel angesprochen werden,
  • es Seriosität und Kompetenz transportiert, etc.

Es war mir wichtig, trotz meines (damals :P) zarten Alters als professionelle Unternehmerin wahrgenommen zu werden.

Trotzdem bin und war ich mit 90 % meiner Kund*innen immer per „Du“. Das könnte natürlich daran liegen, dass ich vor allem mit Einzelunternehmer*innen, Startups und Marketing-Abteilungen arbeite, wo ein lockerer Umgangston herrscht. Anfragen, die mich über meine Website erreichten, begannen oft mit „Hallo Lilli, ich hoffe, das Du ist okay!“ Die Leute, die mit mir arbeiten möchten, wollen also offensichtlich mit mir per Du sein.

Noch mehr liegt es aber meiner Meinung nach an meiner Persönlichkeit: Während ich selbst locker und direkt bin, waren meine Website-Texte per Sie eher steif und distanziert. Meine Website passte nicht so recht zu mir. Im Zuge meines Soft-Relaunchs schrieb ich kurzerhand alle Texte per Du und nicht mehr per Sie!

5 Fragen, die du dir zum Du oder Sie stellen kannst

1. In welcher Branche arbeitest du?

Hier darfst du dich an deiner Zielgruppe orientieren: Einen Solopreneur wie z. B. einen Personal Trainer sprichst du wahrscheinlich anders an als die Geschäftsführerin eines Industriekonzerns oder einer Bank. Wer ist dein idealer Kunde, und wie möchte dieser wahrscheinlich von dir angesprochen werden? Das wird je nach Branche, Tätigkeit und Zielgruppe unterschiedlich sein.

2. Wie sprichst du mit deinen Kund*innen im echten Leben?

Sprich die Leser*innen auf deiner Website einfach so an, wie du im Alltag mit deinen Kund*innen sprichst. So ziehst du automatisch die Kund*innen an, die zu dir passen! Denn mal ehrlich: Wenn du eigentlich mit all deinen Kund*innen in einem lockeren, freundschaftlichen Umgangston sprichst – möchtest du dann wirklich mit deinen Online-Texten Menschen anziehen, die ganz steif und förmlich sind? Das wird vermutlich nicht so gut zusammenpassen.

3. Wie sprichst du mit Kund*innen und Interessent*innen auf Social Media?

Wenn ich einen Blogartikel in der Sie-Form auf Facebook teilte, sprach ich die Leser*innen im Posting-Text mit Du an. Und schließlich begann ich sogar damit, einige Blogartikel in der Du-Form zu schreiben, womit die Ansprache sogar innerhalb meiner eigenen Website uneinheitlich war. Es passte also hinten und vorne nicht zusammen!

Ich entschied mich dafür, alle Online-Texte auf das lockere Du umzustellen. Einen Kontakt auf XING würde ich aber z. B. trotzdem noch mit Sie anschreiben. Während auf XING und LinkedIn noch immer das Sie üblich ist, wirkt es auf Facebook und Twitter eher befremdlich. Da braucht man ein wenig Fingerspitzengefühl für jedes einzelne soziale Netzwerk.

Website duzen oder siezen

4. Wie möchtest du wahrgenommen werden?

Hier sprechen wir von deiner Positionierung, deiner Marke. Sie drückt sich z. B. in der Tonalität deiner Texte, deiner eigenen Persönlichkeit und dem Mehrwert, den du deinen Kund*innen und Leser*innen lieferst, aus. Möchtest du eher seriös oder locker rüberkommen? Kommunizierst du vertraut oder autoritär? Welche Anrede passt zu dir, deinem Unternehmen und deinen Zielen?

5. Womit fühlst du dich wohler?

Ich verlasse mich im Unternehmertum heute viel auf mein Bauchgefühl – auch bei der Ansprache. Die Distanz der Sie-Form kann in manchen Branchen förderlich und in anderen hinderlich sein. Ein Du wirkt in manchen Kanälen passend und in anderen befremdlich. Du weißt selbst am besten, was in deiner Arbeitsumgebung, Zielgruppe und Branche üblich und gern gesehen ist! Vertraue deiner Intuition und mach das, was sich für dich richtig anfühlt.

Die 3 häufigsten Einwände gegen das Du in Online-Texten

1. Aber ziehe ich mit dem Du nicht respektlose Kund*innen an?

Respekt, Wertschätzung und Kompetenz haben nichts mit der Ansprache per Du oder Sie zu tun. Sie zeigen sich im Inhalt des Gesagten, nicht in der Anrede. Jemand, der mich mit Sie anspricht, kann durchaus unprofessionell und respektlos sein! Und jemand, der mich duzt, kann mich trotzdem wertschätzend und höflich behandeln. Alleine an der Anrede lässt sich das nicht festmachen.

2. Kann ich nicht einfach „man“ oder „Ihr“ schreiben?

Lieber nicht! Die unpersönliche Ansprache ist eher eine Verlegenheitslösung, wenn du dich nicht entscheiden kannst, und kommuniziert meiner Meinung nach Unsicherheit. Außerdem: Wer ist „man“ oder „Ihr“? Der Mensch, der vor dem Bildschirm sitzt und deinen Text liest, tut das für gewöhnlich alleine und nicht in der Gruppe. So fühlt sich niemand so richtig von deinen Texten angesprochen. Sogar große Unternehmen wie IKEA oder Facebook duzen ihre Kunden – dann darfst du das auch! 😉

3. Und wenn der Kunde mich trotzdem mit Sie anspricht?

Dann solltest du seinen Wunsch, das Sie (vorerst) zu verwenden, respektieren. Ich halte es mit meinen siezenden Kunden so, dass ich warte, bis sie mir das Du anbieten (was meist sehr schnell passiert). Wenn sie das nicht tun, kommunizieren wir einfach per Sie – das ist ja auch kein Problem! Das heißt aber nicht, dass ich auf meiner Website, in meinem Blog und auf Facebook nicht in der Du-Form kommunizieren darf.

Wie hast du dich entschieden – sprichst du deine Kund*innen mit Du oder Sie an, und warum? Hinterlasse gerne einen Kommentar dazu! Wenn du Hilfe bei deinen Online-Texten brauchst, dann kontaktiere mich einfach über meine Kontakt-Seite.

Kontakt

Hinterlasse deinen Kommentar:

21 Antworten

  1. Ich habe einen Blog zum Thema Immobilien & Wohnen – da werden Leser und Leserinnen stets mit großgeschriebenem „Du“ angesprochen. Jetzt hab ich aber kürzlich gelesen, dass man im Internet „du“ kleinschreibt. Da kommt wohl Arbeit auf mich zu…

  2. Hallo Lilli,

    habe schon gezielt nach ‚Anrede‘ und ‚Lilli Koisser‘ gegoogelt, weil ich mir sicher war, dass du dazu bestimmt schon einen hilfreichen Artikel geschrieben hast. Und so ist es! Danke, hat mir grad sehr geholfen, die Frage stand bei mir nämlich grad auch im Raum.

  3. Hallo Maxi,
    es freut mich, dass der Artikel dich zur richtigen Zeit erreicht hat! 🙂 Ich finde auch, dass wir uns sowohl in der Kreativwelt als auch generell online ruhig duzen dürfen. Alles Gute für deinen Relaunch!
    LG Lilli

  4. Hallo Lilli,
    ein super Artikel der mir grade zur rechten Zeit „vor die Füße“ gefallen ist. Ich bin freelance Retouch Artist/ Bildbearbeiterin und möchte nun zum Relaunch meiner Portfolio Seite auch einen Blog beginnen. Branchenmäßig befinden wir uns ja in ähnlichen Gefilden, trotzdem war ich unsicher ob ich in meinen Artikeln meine Kunden duzen soll – dabei wird in Agenturen etc ja quasi nur geduzt! Dein Artikel hat mich darin bestärkt auch online auf Du zu setzten, ein steifes Sie passt einfach nicht in die Kreativ Welt und auch gar nicht zu mir.
    Liebe Grüße aus Hamburg, Maxi

  5. Hallo Daniela,
    danke für deinen Kommentar! Ich denke auch, dass die Entscheidung vor allem zur eigenen Person und zur Zielgruppe passen muss. Wenn man allerdings eine fremde Person anschreibt, verstehe ich gut, warum das „Sie“ benutzt wird. 😉
    Liebe Grüße!

  6. Hallo Lilli,

    sehr spannendes Thema, obwohl es für mich und mein Business nur die DU-Regel gibt. Aber ich hatte gerade die Situation, als ich von jemandem auf Facebook angeschrieben und gesiezt wurde.
    Ich habe dann eine relativ unverfängliche Antwort geben können, ohne man und ihr nutzen zu müssen. Trotzdem muss meine Tonalität wohl eindeutig gewesen sein. Die Antwort kam dann gleich mit einem DU.

    Für mich ist das mittlerweile absolut selbstverständlich, auch wenn ich mit Businesskunden zu tun habe. Ich habe 6 Jahre lang einen kreativen Onlineshop betrieben und war in der DaWamda-Szene zuhause. Da ist es absolut üblich, jeden zu duzen.

    Auch jetzt als Virtuelle Assistentin gehört das du einfach zu mir. Es schafft die notwendige Nähe, die ich brauche, um meine Kunden perfekt in ihrem Tun unterstützen zu können.

    Viele Grüße
    Daniela

  7. Hallo Andreas,

    das finde ich total okay so! Online sind wir es ja immer mehr gewöhnt, mit „Du“ angesprochen zu werden. Im echten Leben spreche ich fremde Menschen aber auch erstmal mit „Sie“ an.

    Manche Einzelunternehmer machen es so, dass sie auf ihrer Website schreiben und im Gespräch sagen: „Ich bin mit all meinen Kunden per Du.“ Ist auch ein Ansatz!

    Danke für deinen Kommentar und GLG,
    Lilli

  8. Ich habe diverse private Blogs und da werden Leser und Leserinnen stets mit großgeschriebenem „Du“ oder „Ihr“ angesprochen. Dadurch fällt die Distanz und man kommt einfach schneller ins Gespräch. Der Kontakt bleibt dabei sehr respektvoll und ist zuweilen fast freundschaftlich. Das „Sie“ kommt mir, zumindest auf meinen eigenen Seiten, also gar nicht in den Sinn.

  9. Hallo Lilli, eine Frage, die ich für mich slebst noch nicht richtig geklärt habe, bzw. wo ich auch am überlegen bin. Ich echten Leben spreche ich Kunden prinzipiell erstmal mit Sie an. Aber ich finde, dass es auf einer Website einfach viel mehr Vertrauen schafft, wenn die Leser mit Du angesprochen werden. Und das benötigen wir… Ich mache also momentan beides… Also auf der Siete Du, wenn ein telefonat da ist oder so, erstmal Sie. Wenn man sich besser kennt, auf das Du umsteigen.

  10. Hallo Sandra,
    ich weiß genau, wie du dich gerade fühlst. 😀 Ich finde auch, dass Coaches ihre Kunden durchaus mit „Du“ ansprechen dürfen. Mich irritiert es sogar, wenn ich bei einem Coaching mit Sie angesprochen werde! Und gerade dein Thema ist ja sehr persönlich und das „Sie“ schafft in dem Fall vielleicht sogar unnötige Distanz. Ich glaube, dass du da schon richtig in dich reingespürt hast!
    GLG Lilli

  11. Hallo Babsi,
    es freut mich, dass mein Beitrag bei dir gerade zur rechten Zeit gekommen ist und dir helfen konnte, eine Entscheidung zu treffen. Ich wünsche dir alles Gute für den Umbruch!
    GLG Lilli

  12. Hallo Michael, danke für deinen Kommentar! Das hört sich gut an und ist eine tolle Leistung, das Du-Angebot unterschwellig in Sie-Texten mitschwingen zu lassen. Für uns Texter dürfte das einfacher sein als für andere Unternehmer! 😉

  13. Liebe Lilli,
    dein Text könnte inhaltlich von mir geschrieben sein 😄
    Ich habe auch alles per Sie. Aus den gleichen Gründen wie du. Immer mehr spüre ich, dass es nicht mehr zu mir passt.
    Ich arbeite mit Menschen immer an deren Persönlichkeit und biete daher immer das Du an. Ich finde, dass die persönliche Ansprache da ein Türöffner ist und es irgendwie leichter macht.

    Ich denke seit ein paar Wochen darüber nach, das auf meiner Homepage zu ändern.
    Danke, dass du mich an meine Intuition erinnert hast!
    Ich werde das zu gegebener Zeit auch alles ändern…. erst das aktuelle Projekt auf die Zielgerade bringen…. ist gerade wichtiger 😉

    Liebe Grüße
    Sandra

  14. Lily,
    danke für diesen Beitrag. Ich konnte mich absolut nicht entscheiden und habe jetzt auch einen Mix. Auf den Webseiten das Sie und im Blog das Du. Und irgendwie macht mich das selbst ganz irre.
    Aber nachdem in der nächsten Zeit sowieso kein Stein auf dem anderen bleibt, werde ich das dann alles auf ein nettes Du ändern.
    Alles Liebe!
    Babsi

  15. VON EINEM AUS DER SIE-FRAKTION:
    Deine Tipps sind goldrichtig. Nicht nur bei Texten, sondern auch bei der Kundenansprache gilt, dass der Wurm dem Fisch und nicht dem Angler schmecken muss.
    Ich stimme z. B. auch bei Blogbeiträgen für größere Kunden meine stilistische Klaviatur im Sie-Modus auf eine Tonalität, die signalisiert (!) dass ich jederzeit bereit bin, ein Du zu akzeptieren. Dieser Stil wird vom Kunden hochgradig geschätzt, weil er die Mindest-Distanz wahrt, ohne steif und unnahbar zu wirken.
    Für mich selbst als Unternehmer halte ich das genauso und fahre gut damit – womit sich der Kreis zu Deiner Empfehlung wieder schließt, das aus dem Bauch zu machen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert