Lilli Koisser

Aktivismus im Business – von Mut und mentaler Gesundheit. Inga Kälber im Interview

Pyjama-Business Podcast Folge 33 Aktivismus im Business - von Mut und mentaler Gesundheit. Inga Kälber im Interview

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Inga Kälber ist Brand Designerin, Life Coach und Business-Mentorin mit Marbleous Studio – und Aktivistin mit Zero Waste Deutschland, wo sie über 100.000 Instagram-Follower*innen Nachhaltigkeit näherbringt. Im Interview habe ich sie gefragt:

  • Was ist ein werteorientiertes Business und wodurch zeichnet es sich aus?
  • Warum hast du als Designerin beschlossen, eine Coaching-Ausbildung zu machen? Und wie hat das deine Arbeit verändert?
  • Du hast viele Projekte gleichzeitig am Laufen – Zero Waste Deutschland, deinen Etsy-Shop, deine Coaching-Ausbildung, dein Mentoringprogramm, Kundenprojekte … Wie bringst du deine Selbstständigkeit mit deinem Aktivismus unter einen Hut – zeitlich, energetisch, finanziell, organisatorisch?
  • Was ist der Unterschied zwischen Coaching und Mentoring?
  • Was ist toxische Persönlichkeitsentwicklung und welche Erfahrungen hast du damit gemacht?
  • Wie kann ich im Alltag und im Beruf unnötigen Müll und CO2-Ausstoß vermeiden?
  • Viele Menschen aus meiner Community sagen, dass sie sich nicht politisch oder aktivistisch äußern möchten, weil sie Angst davor haben, nicht genug zu wissen oder Fehler zu machen. Was kannst du ihnen mitgeben?
  • Was ist ein das „Aktivist*innen-Burnout“ und wie hast du es selbst schon erlebt?
  • Du sprichst in deinem Content auch über deine Erfahrungen mit mentaler Gesundheit und Psychotherapie. Warum ist dir das ein Anliegen?

Tritt gerne auf Instagram unter @marbleous_studio oder @lillikoisser mit uns in Kontakt, wenn du Fragen oder Feedback zur Folge hast! 🤗

Transkript der Folge

Lilli: Hallo und schön, dass du heute wieder bei einer neuen Folge im Pyjama-Business-Podcast dabei bist. Ich habe heute eine ganz besondere Gästin mitgebracht, nämlich eine meiner Lieblingskund*innen und auch die Designerin, die meinen Kundenmagnetkurs verschönert, den ganzen Kursbereich, das Branding, die Workbooks et cetera neugestaltet hat.

Hallo Inga von Marbleous Design und Zero Waste Deutschland. Schön, dass du da bist, willkommen.

Inga: Hallo. Vielen Dank für diese tolle Ankündigung.

Lilli: Sehr gerne. Ich habe es schon anklingen lassen, du bist Brand-Designerin, Life-Coachin und führst auch Zero Waste Deutschland als aktivistisches Projekt. Aber vielleicht magst du dich auch selbst nochmal mit allem, was zu dir gehört, vorstellen. Wer bist du und was machst du?

Inga: Ja, wie viel Zeit hast du?

Lilli: Genug.

Inga: Super. Genau. Meinen Namen hast du schon gesagt. Ich heiße Inga Kälber. Ich arbeite aktuell hauptsächlich als Grafikdesignerin und bin dabei, meine Life-Coaching-Ausbildung zum Mentoring umzuarbeiten. Und ich habe die Plattform, sage ich jetzt mal, Zero Waste Deutschland mit einer Freundin gegründet.

Mittlerweile mache ich die aber überwiegend alleine. Das meiste spielt sich auf Instagram ab. Es gibt aber auch eine Website, wo man sich dann zum Thema nachhaltiger leben informieren kann. Und genau, ursprünglich ging es wirklich um dieses Müll vermeiden.

Aber je mehr ich auch ins Thema Nachhaltigkeit eingestiegen bin, desto offensichtlicher wurde es, dass es nicht nur darum geht und wir die Welt nicht retten werden, wenn wir Plastikstrohhalme und Co vermeiden, obwohl es wichtig ist. Aber dass es sehr viel vielschichtiger ist, Klimakrise, soziale Gerechtigkeit, die ganzen Themen.

Und ich versuche jetzt mit der Reichweite, die ich dort aufgebaut habe, den Themen auch immer wieder Gehör zu verschaffen, sage ich jetzt mal. Die einfach anzusprechen, weil ich sie sehr wichtig finde. Und genau, und beim Grafikdesign bin ich jetzt mittlerweile auch sehr werteorientiert vertreten.

Ich zeige mich einfach ganz klar mit meiner feministischen, linken Grün-Einstellung und habe damit, zum Glück, bisher auch nur gute Erfahrungen gemacht. Weil es mir einfach wichtig ist, Menschen zu unterstützen, so wie ich das mit Grafikdesign, schön Branding und Workbooks kann, die ich für dich auch schon machen durfte.

Oder aber auch einfach mit kleineren Dingen, weil ja auch nicht jeder Mensch die finanziellen Mittel hat, um jetzt One-on-One mit mir oder generell Designer*innen zu arbeiten. Dafür habe ich letztes Jahr einen Etsy-Shop gelauncht. Und in dem gibt es Workbooks.

Die helfen so ein bisschen mehr Klarheit für das eigene Business zu finden und Vorlagen für Workbooks und den Insta-Feed. Und ja, ich glaube, das ist so ein grober Überblick von dem, was ich mache.

Lilli: Ja, der grobe Überblick. Super, danke. Du hast es vorher gerade schon angesprochen, dass du ein werteorientiertes Business hast. Was heißt das genau? Und wodurch zeichnet sich das aus? Woran merkt man das, dass man ein werteorientiertes Business führt?

Inga: Für manche Menschen sind Werte so Liebe, Freunde und Freiheit. Und das sind sicherlich wichtige Dinge und das können auch wichtige Werte sein, aber für mich ist es vor allem das Thema soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und auch Feminismus, was intersektionaler Feminismus beinhalten kann.

Ich würde mich da noch lange nicht als Expertin betiteln, weil ich gefühlt immer noch relativ am Anfang stehe. Aber mir ist es einfach wichtig, einen sicheren Raum zu schaffen mit der Arbeit, die ich mache, oder mit den Menschen, mit denen ich arbeite, einen sicheren Raum zu geben.

Unabhängig von Hautfarbe, Gender, Sexualität what ever und mich auch dahingehend klar zu positionieren. Und das ist mir besonders letztes Jahr sehr wichtig geworden, als Corona angefangen hat. Ich meine, ich war davor natürlich schon so, dass ich gesagt habe, klar, lieb, wen du möchtest. Das ist für mich okay. Ich habe mich auch nicht als Rassistin empfunden.

Mittlerweile weiß ich, wir alle haben Rassismen in uns und dürfen und müssen sie verlernen. Aber durch Corona ist mir einfach nochmal sehr viel mehr bewusster geworden, mit wem ich arbeiten und mit wem nicht. Und da habe ich mich dann Mitte und im letzten Quartal von 2020 entschieden, es einfach ganz deutlich nach außen zu tragen, wofür ich stehe und wofür nicht.

Lilli: Welche Reaktionen oder Veränderungen hast du dann bemerkt?

Inga: Die erste Veränderung, die ich selber herbeigeführt habe, war, dass ich mich von einer Kundin getrennt habe, mit der ich eigentlich von Anfang an seit meiner Selbstständigkeit zusammengearbeitet habe, weil sie sehr krasse Aussagen vertritt, die ich nicht vertrete. Gerade so im Thema Corona, wie schlimm Corona jetzt wirklich ist, impfen und der ganze Kram.

Das war für mich so die Hardcore-Variante, als ich das mitbekommen habe. Und es war auch so der finale Auslöser, dass ich dann sage: okay, das kann ich nicht tragen oder da möchte ich mit meinem Kopf einfach nicht dahinter stehen.

Und das war für mich so eine sehr schwierige und herausfordernde Situation, weil es mit sehr viel Angst verbunden ist. Weil ich wusste, wenn ich mit ihr nicht mehr arbeite, fällt natürlich ein gewisser Betrag an Geld weg, den ich sonst im Monat eingenommen habe.

Aber für mich war klar, ich kann nicht so Geld verdienen. Das fühlt sich für mich nicht gut an. Und tatsächlich ist es so, seitdem ich mich so positioniere und klar sage, wie ich denke und einfach so mehr Ecken und Kanten bekommen habe, sage ich mal, kriege ich noch mehr positives Feedback.

Natürlich gab es auch ein paar Menschen, die das nicht toll fanden, die mir dann entfolgt sind und auch ein paar Menschen, die mir dazu geschrieben haben. Überwiegend respektvoll, aber ja, da habe ich mich dann einfach abgegrenzt.

Und klar, wenn man konnte, hat man darüber gesprochen. In der Regel hat das aber zu nichts geführt. Und dann habe ich mich getrennt, sage ich dazu. Und das ist auch in Ordnung.

Aber ich merke wirklich, seitdem ich mich ganz klar positioniere, ich sage das ja nicht jedes Mal, wenn ich irgendwie eine Story aufnehme oder schreibe nicht unter jeden Post „so und so bin ich politisch eingestellt“, aber die Leute bekommen es mit, so wie sie mir folgen, so wie bei denen auch.

Seitdem läuft es noch besser als vorher. Und deswegen, das zeigt mir auch, es war für mich die absolut richtige Entscheidung.

Lilli: Schön. Ja, ich bekomme das in meiner Community immer mit, dass die Leute: ja, ich finde das toll, wenn man sich so positioniert und einsetzt und so, aber sie trauen sich selber nicht, weil sie Angst haben, dass sie entweder was Falsches sagen, noch nicht genug Wissen oder hier Fehler zu machen.

Das heißt, du hast eigentlich fast nur gute Erfahrungen damit gemacht. Und die Angst war auch teilweise unbegründet, wenn ich das richtig verstanden habe?

Inga: Ja, absolut. Meine Angst damals war vor allem dieses „ich habe dann niemanden mehr, der mit mir arbeiten will, weil das dem zu krass ist“. Ist aber nicht so. Surprise, es gibt noch mehr Menschen, die so denken wie ich. Wer hätte es gedacht?

Aber diese Angst von wegen „ich habe Angst, was falsches zu sagen“ hatte ich so persönlich noch nie, was aber, glaube ich, auch einfach daran liegt, dass ich von Anfang an immer kommuniziert habe, dass ich natürlich nicht perfekt und keine Expertin bin und bei vielen Themen auch niemals Expertin sein werde, weil ich keine Betroffene oder negativ Betroffene davon bin.

Und dass man mir jederzeit gerne konstruktives Feedback geben kann. Und wenn man sich an mich wendet und mir konstruktives Feedback gibt, dann nehme ich das auch an und lerne dazu. Und ich glaube, das ist so das, was es für mich sehr leicht macht und was ich eigentlich allen, die sich irgendwie positionieren wollen, auch nur empfehlen kann.

Niemand braucht so zu tun, als ob er oder sie alles wüsste. Weil das ist okay. Wir alle lernen dazu. Und wir verlernen ja auch gerade ganz viel so zum Thema Sexismus, Rassismus et cetera. Und wir können voneinander lernen. Und das finde ich so schön. Und das merke ich auch.

Ich hatte jetzt kürzlich eine Person, die mir geschrieben hat, weil ich bei Zero Waste Deutschland einen problematischen Begriff verwendet habe. Und dann hat sie so gesagt: hier, das ist nicht so gut oder das könnte man so und so wahrnehmen.

Ja, und dann habe ich gesagt: ja, super, jetzt weiß ich das, mache ich nicht nochmal, habe nochmal ein Statement gegeben und das war es. Und das erwarte ich von anderen, dass sie mir die Gelegenheit geben, dazu zu lernen. Wenn jetzt jemand auf mich zukommt und mich dafür erstmal runtermacht, dass ich das nicht weiß, ist das natürlich ein blödes Gefühl.

Ist mir bisher zum Glück aber auch noch nicht passiert. Und ich glaube, das hängt auch sehr davon ab, wie sehr man sich jetzt als Expert*in oder auch Nicht-Expert*in positioniert.

Lilli: Ich glaube, das ist auch fast der einzige Weg, wie man überhaupt aktivistisch oder politisch sein kann. Diese Haltung von: ich weiß noch nicht alles, aber ich traue mich jetzt raus und darauf aufmerksam zu machen oder darüber zu reden. Und es geht dabei nicht um mich und mein Ego und ob ich Fehler mache, sondern einfach um das Thema.

Inga: Ja. Und ja, ich denke auch, es kann natürlich immer passieren, ich habe es jetzt bei einer Kundin von mir kürzlich gesehen, die auch sehr feministisch unterwegs ist, die auch was Problematisches gepostet und aber ein bisschen Bedenkzeit brauchte, nachdem ihr das gesagt wurde.

Und es ist ja auch nicht so, dass es nur Schwarz und Weiß gäbe. Vielleicht verschwimmt es ja zwischen problematisch und nicht problematisch. Und manchmal brauchen wir auch Zeit, um drüber nachzudenken und darüber zu reflektieren.

Was ich dann schwierig finde, ist, wenn dann irgendwelche anderen vermeintlich feministischen Accounts oder Menschen kommen, das dann so durch den Dreck ziehen und so nach außen kehren und sagen: die Person hat das schlecht gemacht. Wie kann sie nur?

Es kommt natürlich immer auf den Kontext an, aber grundsätzlich denke ich mir, wir alle können Fehler machen. Und wenn wir darauf hingewiesen werden, muss uns aber auch eine Bedenkzeit eingeräumt werden. Ich meine, ich bin jetzt hier bei mir nur von Sexismus als Diskriminierung betroffen.

Wenn ich mit meinem Partner oder mit einem Freund darüber spreche, dass ich etwas nicht in Ordnung finde, was er sagt oder getan hat, klar, wäre es toll, wenn er sofort sagt: ja, stimmt, sorry, mache ich nie wieder. Aber das kann ich leider nicht erwarten, weil wir alle mit bestimmten Dingen so groß geworden sind und das für selbstverständlich annehmen.

Und das zu verlernen, erstmal kritisiert zu werden und das anzunehmen, dass man gerade kritisiert wird. Wir sind alle nur Menschen. Das braucht einfach Zeit. Und mir hilft es einfach, Menschen zu folgen, wo ich sehe, da gibt es auch für mich als Lernende einen sicheren Raum. Und zu sehen, dass es nicht nur dieses Angefeinde innerhalb der eigenen Bubble gibt.

Ich glaube, das ist ja das, wovor viele auch Angst haben, weil sie das ja auch manchmal sehen. Und die Shitstorms sind ja das, was man am meisten mitbekommt. Aber es wird jeden Tag so viel geäußert, die nur positives Feedback bekommen. Das kriegen wir aber nicht so mit, weil das nicht viral geht.

Lilli: Ja, stimmt. Ja, da war jetzt voll viel dabei. Danke dafür. Ja, genau das, was du gesagt hast. Es wäre schön, wenn jede Person sofort mit einem Fingerschnippen, wenn sie einmal darauf hingewiesen wird, ihr Denken verändert.

Aber so leicht ist das nicht. Und wir brauchen einfach diese Bedenkzeit und Introspektion, um da mal ein bisschen drauf rumzukauen, wenn uns sowas vor die Füße geworfen wird.

Inga: Ja, total.

Lilli: Cool. Du hast ja deine Selbstständigkeit als Designerin begonnen und hast dann beschlossen, noch eine Ausbildung zur Live-Coachin zu machen. Das war ja bei mir ähnlich, von der Texterin zur Coachin. Warum hast du das entschieden? Und wie hat das dann auch deine Arbeit beeinflusst oder verändert?

Inga: Ich habe das total aus dem Bauch heraus entschieden. Ich habe mich Anfang meiner 20er sehr intensiv mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt und bin da leider in die eher toxische Bubble auch sehr tief reingerutscht. Und das hat mir nicht nur gut getan.

Definitiv nicht. Aber ich wusste, dass ich es eigentlich gerne besser machen würde. Und mich hat trotzdem dieses Thema Coaching sehr interessiert. Ich habe das aber lange Zeit gar nicht so groß auf dem Schirm gehabt, weil die Ausbildungen kosten auch nicht wenig.

Und dann war es aber so, dass ich 2019, ich glaube, zwei Tage vor Silvester auf dem Bett lag und du musst jetzt nach dieser einen Ausbildung gucken, die ich vor ein paar Jahren aufgeschoben hatte. Und das war wirklich wie so eine Eingebung. Du musst jetzt danach gucken und das jetzt buchen.

Lilli: Kenne ich, ja.

Inga: Und dann habe ich danach geguckt. Und die Ausbildung findet dreimal im Jahr statt. Und der Start für Februar war schon vorbei. Und erst im Mai ging es wieder los. Und dann war ich so: krass, okay, das ist jetzt ein Calling. Ich weiß nicht, habe ich noch nicht oft gehabt, aber meistens funktioniert es ganz gut.

Und dann habe ich das gebucht, weil ich es mir dann zu dem Zeitpunkt auch leisten konnte. Und witzigerweise habe ich später festgestellt, dass das am 5. Tag der Raunacht war, wo ich diese Eingebung hat. Den Mai nach den Raunächten. Und im Mai startete die Ausbildung.

Lilli: Wow, ja.

Inga: Und ja, ich habe die Ausbildung gemacht. Die ging ein halbes Jahr. Und sie hat mich dahingehend bereichert, dass ich jetzt einfach noch besser mit meinen Kund*innen umgehen und sie besser abholen kann, weil ich neue Strategien entwickelt habe.

Auch Gespräche mit Freund*innen, wo ich unterstützen darf, laufen jetzt seitdem ein bisschen anders, weil ich einfach gelernt habe, besser Fragen zu stellen. Gleichzeitig habe ich aber auch für mich gemerkt, nachdem ich nach der Ausbildung noch ein halbes Jahr Pro-Bono-Coachings gegeben habe, ich kann es zwar gut, aber darin gehe ich nicht zu 100 Prozent auf.

Und ich habe mich deswegen entschieden, jetzt ein Mentoring-Programm zu etablieren. Oder da bin ich gerade dabei, das aufzubauen. Das läuft gerade in der Testphase und läuft auch ganz gut.

Die Tester*innen, die dabei sind, sind bisher alle sehr happy. Und wir sind erst in der zweiten Woche. Das freut mich sehr. Und auch hier hilft mir die Coaching-Ausbildung sehr, weil in der Ausbildung habe ich eine Struktur beigebracht bekommen, wie man Menschen zu ihren Zielen bringt.

Und auch, wenn das Mentoring natürlich nochmal ein bisschen anders ist, weil das mehr beratend ist und mehr mit „ich zeige dir, was du machen kannst“, möchte ich natürlich den Menschen nicht nur einen vorgepflasterten Weg geben, den sie dann langlaufen sollen.

Wir sind alle individuell und unterschiedlich und haben auch alle ganz unterschiedliche Branchen, in denen wir tätig sind. Und so kann ich mein Wissen mit dem Coaching zusammen da reinpacken. Und das ist echt ziemlich cool.

Auch, wenn ich jetzt nicht richtig als Life-Coach im Moment arbeite, auch wenn es vielleicht später nochmal kommt, hat mir die Ausbildung mega viel gebracht. Weil sie mir auch den Mut gegeben hat, das zu machen, was ich dann wirklich will, wo ich auch richtig aufgehe. Das Mentoring macht mir einfach so viel Spaß.

Und ich kann jetzt auch Live-Mentorings per Zoom geben, nicht Face-to-Face. Und ich merke richtig, ich freue mich riesig auf die Sessions und gehe darin total auf. Und den Menschen hilft es. Und das macht mir einfach mega viel Spaß.

Lilli: Ich finde auch die Kombination aus Mentoring und Coaching einfach total wirksam. Wo siehst du da den Unterschied zwischen Coaching und Mentoring? Vielleicht machen wir noch kurz diese Unterscheidung?

Inga: So, wie ich Coaching gelernt habe, klingt es vor allem so einfach, aber es ist strukturiertes Fragen stellen. Bei mir war es so, die Coaching-Ausbildung ist so ausgelegt, dass man sechs Sessions immer mit einem Klienten und einer Klientin hat. Und diese Sessions sind immer einem gewissen Thema zuordnet.

Die erste Session ist zum Beispiel der Status Quo, dass man erstmal wirklich guckt: wo stehst du gerade? Wo möchtest du hin? In der zweiten werden dann die Ziele gesetzt und so weiter und so fort. Und da bringe ich eine Person dazu, auf ihre Weise zu ihrem Ziel zu kommen. Ich stelle nur Fragen.

Ich sage nicht: hast du schon mal überlegt, das auszuprobieren? Ja, keine Ahnung. Mach doch mal das und das. Das hilft dir. Sondern ich sage, welche Möglichkeiten hast du jetzt, um dieses Problem zu lösen? Oder wie fühlt sich das jetzt für dich an? Oder wie würde es sich im besten Fall anfühlen? Das sind jetzt sehr einfache Fragen. Es gibt natürlich tausend andere.

Sehr auf diese Situation auch bezogen. Und Mentoring ist für mich wirklich mehr so dieses: natürlich gehe ich individuell auf die Person ein und stelle ihr auch Fragen, damit sie auch „von alleine“ auf die für sie sinnvolle Möglichkeiten kommt.

Aber ich gebe auch viel von meiner Erfahrung, meinem Wissen und dem, womit ich gute Erfahrung gemacht habe, preis. Das ist im Coaching gar nicht so. Da sage ich auch nicht: ich habe das und das gemacht und das und das wirkt. Sondern versuche wirklich, die Person ihren eigenen Weg finden zu lassen. Und im Mentoring kann ich viel mehr von mir einbringen.

Und ich habe einfach gemerkt, weil ich auch mit vielen werdenden Selbstständigen Coachings gemacht habe, da ist einfach dieser Wunsch da zu wissen: wie hast du es denn gemacht? Wie funktioniert es bei dir? Gerade auch, weil es bei mir sehr gut läuft und es ja offensichtlich funktioniert, was ich mache.

Und das macht mir einfach so viel Freude, denen dann sagen zu können: ich habe es so gemacht und vielleicht wäre das für dich auch ein Weg. Natürlich immer mit diesem individuellen Gedanken: wie würde es für die Person passen? Macht ja keinen Sinn, dass alle es genauso machen wie ich, weil sie sind ja nicht ich.

Lilli: Genau. Cool, danke dafür.

Inga: Gerne. Hast du denn was dazu zu ergänzen?

Lilli: Ja, ich würde es eigentlich genauso beschreiben. Beim Coaching gebe ich im Prinzip nichts von mir selber rein. Ich gebe nur nach meiner Intuition oder Erfahrung die richtigen Fragen rein und bereite dadurch den Nährboden oder Rahmen, dass die Person da sich selbst erforschen kann.

Und ja, manchmal ist es aber wirklich schneller, zielführender und von den Leuten auch gewünscht, dass ich ihnen einfach sage: da habe ich jetzt eine Idee oder einen Impuls. Oder wie wäre es mit dem? Oder so habe ich es gemacht, ja. Arbeitest du da auch viel intuitiv? Dass du sagst, jetzt habe ich einfach einen Impuls und das mache ich jetzt einfach?

Inga: Ja, voll. Ich merke das auch gerade bei den One-on-One-Sessions, dass ich auch sehr gucke. Klar, ich habe so ein bisschen einen Plan für die einzelnen Sessions, weil das Mentoring-Programm auch durchgeplant ist. Jede Woche hat ein eigenes Thema. Deswegen haben auch die Sessions ein eigenes Thema.

Aber trotzdem gucke ich natürlich: was braucht die Person gerade? Was ist gerade vorherrschend? Und stelle dementsprechend auch Fragen und gebe dementsprechend dann Impulse.

Lilli: Das ist ja auch das Schöne an Coaching, Mentoring und auch an der Eins-zu-Eins- oder Kleingruppenarbeit, dass man wirklich individuell auf die Person eingehen kann.

Inga: Ja.

Lilli: Und das kann man dann auch nutzen.

Inga: Ja, das stimmt.

Lilli: Wir haben vorher schon ein bisschen aufgezählt, was du alles machst. Du hast Zero Waste Deutschland. Da hast du jetzt gerade die 100.000 Follower*innen auf Instagram geknackt. Ich habe dich vor dem Interview auch ein bisschen gestalkt. Du hast den Umweltmedienpreis der Umwelthilfe 2019 gewonnen. Das wusste ich zum Beispiel nicht.

Du warst vor kurzem in einem TV-Interview beim MDR zum Thema nachhaltiger Lebensstil. Und genau, dann hast du noch deinen Etsy-Shop, deine Coaching-Ausbildung, dein Mentoring-Programm jetzt neu und deine Projekte mit Kund*innen als Grafikdesignerin.

Und du hast vorher auch schon gesagt, die Selbstständigkeit ist so dein Brotjob. Und mir Zero Waste lebst du deine aktivistische Seite aus. Oder?

Inga: Ja.

Lilli: Monetarisierst du Zero Waste auch?

Inga: Ja, ich verdiene auch mit Zero Waste Deutschland ein bisschen Geld über Kooperationen.

Ich habe da keine Produkte, die die Menschen kaufen können, sondern ich stelle manchmal Produkte vor, die ich gut finde, hinter denen ich stehe. Natürlich sind die sehr ausgewählt, weil beim nachhaltigen Thema Aktivismus kannst du jetzt auch nicht alles promoten, weil ich logischerweise auch nicht alles kaufen würde.

Aber genau, darüber verdiene ich auch ein bisschen Geld. Aber Grafikdesign macht aktuell definitiv das meiste aus. Und das soll sich auch nicht ändern. Ich möchte auch nicht davon abhängig sein, wie viel Geld ich mit Kooperationen verdiene, weil Zero Waste Deutschland ist ein Herzensthema, aber soll nicht auf Teufel komm raus mich ernähren.

Und es ist mir einfach wichtig, weil es ist auch mit so einer großen Community schon sehr aufwendig. Und ich möchte mich einfach von Instagram nicht so bestimmen lassen, dass ich Content produzieren muss. Ja.

Lilli: Und wie organisierst du das alles zeitlich, energetisch, finanziell, Content-Plan-mäßig? Wie schaffst du das, so viele Projekte gleichzeitig nebeneinander zu machen?

Inga: Mit einer guten Planung.

Lilli: Und wie schaut die aus?

Inga: Ja, wie schaut die aus? Das ist eine gute Frage, weil es ist tatsächlich sehr unterschiedlich. Das hat sich im letzten Jahr auch sehr entwickelt. Und ich habe mittlerweile auch Unterstützung. Ich bin nicht mehr bei allem komplett alleine, aber die ersten zwei Jahre habe ich wirklich alles komplett alleine gemacht, bis auf die Website von Zero Waste Deutschland.

Da hat mich meine damalige Partnerin unterstützt. Genau. Und wie organisiere ich das? Ich habe es mittlerweile so, dass ich wirklich ganz klar mir jede Woche einen Wochenplan mache. Ich schreibe mir alle To-Do’s auf, die ich machen muss oder machen möchte und plane das dann ein. Ich teile das in die einzelnen Wochentage ein.

Was mir sehr wichtig ist, das aktuell ein bisschen wegen dem Mentoring-Programm zurückgeht, ist, dass ich am Wochenende frei habe. Ist einfach für mich nicht schlimm, weil ich im Moment, das ist eine Phase, in zwei Monaten ist das Ding durch. Dann muss ich nicht mehr so viel vorbereiten. Jetzt balanciere mit dem Kurs. Das ist auch okay.

Aber wichtig ist mir wirklich, mir klar meine Freizeit auch miteinzuplanen, dass ich nicht einfach 60 Stunden die Woche arbeite. Das habe ich die ersten anderthalb Jahre gemacht. Das führt zu nichts. Da geht es einem auch nicht gut dabei. Und ich glaube auch nicht, dass das notwendig ist, um mit dem, was man tut, erfolgreich zu sein.

Aber es ist wirklich klar priorisiert. Aber was muss und möchte ich machen? Und wann investiere ich worin wie viel Zeit? Am Anfang bei Zero Waste Deutschland habe ich jeden Tag einen Post gemacht. Ich glaube, das habe ich über ein Jahr lang durchgezogen.

Lilli: Wow.

Inga: Und gleichzeitig noch meinen Marbleous-Design-Content gehabt, wo ich auch anfangs noch versucht habe, jeden Tag zu posten. Und das geht mit Projekten einfach nicht. Das ist zu viel. Da leidet dann auch die Qualität drunter oder das eigene Zeitmanagement.

Und da ist wirklich auch so das A und O für mich so die Erwartungshaltung, die an mich selber setze, einfach runterzuschrauben. Man muss nicht jeden Tag auf Instagram aktiv sein, neuen Content zu posten, um dort zu wachsen. Natürlich sollte man regelmäßig aktiv sein, aber es muss nicht jeden Tag sein. Es muss auch nicht mehrmals am Tag sein.

Genau. Und da ist wirklich so, ich mache mittlerweile immer Content-Pläne, dass ich wirklich überlege: was möchte ich wann bei Marbleous Design teilen? Was möchte ich bei Zero Waste Deutschland teilen? Bei Zero Waste Deutschland mache ich mittlerweile sehr viel Content Recycling.

Klar, man kann immer noch wieder neues ausgraben, aber jetzt fehlt mir aktuell auch so ein bisschen die Muse. Deswegen recycle ich Beiträge einfach, weil die Leute die eh immer wieder sehen können. Das sind einfach Tipps, viele sind Evergreen, die sind immer relevant. Und genau, so mache ich das.

Und dann habe ich wirklich eine klare Projektplanung mit meinen Kund*innen. Ich weiß genau, wie viel Geld ich wann einnehmen muss, um über die Runden zu kommen. Ich habe ein sehr gutes Preismanagement. Das heißt, ich nehme wirklich genug Geld, damit ich von dem leben kann, was ich mache. Und baue mir auch kontinuierlich andere Einkommensquellen auf.

Jetzt zum Beispiel durch meinen Etsy-Shop oder das Mentoring-Programm, was zum einen als Selbstlernkurs dann zur Verfügung stehen wird. Weil ich glaube, das können sehr viele Leute sehr gut einfach so für sich durcharbeiten. Und dann ist es vom Preis her auch einfach ein bisschen zugänglicher.

Es wird aber auch eine Variante geben, wo Menschen dann auch One-on-One mit mir arbeiten können nebenbei. Genau. Das zusammengefasst ist einfach wirklich: genau überlegen, was gerade ansteht und zu versuchen, nicht alles gleichzeitig zu machen.

Ich muss ja E-Mail-, Pinterest- und Instagram-Marketing SEO Marketing lernen, sondern ich konzentriere mich für ein Quartal auf eine Sache. Und entweder mache ich das dann noch ein Quartal länger oder das nächste darf dran.

Lilli: Und bei deiner Wochenplanung hast du dann Thementage? Oder hast du zum Beispiel Tage Projekten zugeordnet? Oder ist das alles auch an einem Tag möglich? Hast du da irgendeine Präferenz für dich persönlich?

Inga: Es ist bei mir tatsächlich sehr zyklusabhängig. Je nachdem, wo ich gerade in meinem Zyklus bin, brauche ich so eine richtig klare Struktur. Und dann ist es wirklich so, meistens habe ich nicht nur ein Projekt pro Tag, sondern meistens gleich zwei. Und dann kommen meistens noch E-Mails und so dazu.

Aber manchmal ist es auch wirklich so, dass ich sage, ich möchte diese Aufgabe in der Woche machen. Diese Aufgabe muss dann erledigt sein und diese Aufgabe dann. Und plane dann danach und den Rest relativ frei. Wie gesagt, das hängt wirklich sehr von meinem Zyklus ab.

In deiner Mastermind hast du uns ja auch schon so ein paar Tipps gegeben, wie wir unsere Woche besser strukturieren können. Und das funktioniert bei mir für manche Wochen, aber nicht immer. Und das ist auch okay, ja. Und das entwickelt sich aber auch immer weiter. Ich wette, wenn wir in einem Jahr nochmal drüber sprechen, sieht es noch anders aus.

Lilli: Ja, aber voll schön, dass du dir da auch den Freiraum gibst, dass nicht jede Woche gleich ausschauen muss und dass auch nicht jede Woche im Zyklus gleich verlaufen muss, sondern auf dich, deine Bedürfnisse und deinen Körper hörst.

Inga: Ja. Was ich gemerkt habe, was mir schon sehr hilft, ist, dass wenn ich die Content-Planung an einem Tag durchziehe im Sinne von: mir wirklich überlege, wann will ich was posten? Dann stehen noch nicht alle Texte und Beiträge. Das mache ich aktuell mehr so von Woche zu Woche oder alle zwei Wochen.

Aber mir da wirklich mal so die Zeit nehme, zwei, drei oder auch vier Stunden, je nachdem, nur da drauf zu konzentrieren, statt jede Woche aufs Neue zu überlegen: okay, was könnte ich jetzt posten? Weil das frisst viel mehr Zeit, als wenn ich das einmal so vorplane.

Lilli: Cool. Danke für den Tipp. Du hast vorher von toxischer Persönlichkeitsentwicklung gesprochen. Da würde ich gerne nochmal backtracken. Ich habe es nämlich schon so ab und zu in meiner Instagram-Story geteilt.

Und dann kriege ich immer Kommentare oder Nachrichten: „was bedeutet das?“, „was meinst du damit?“. Und ich glaube, der Begriff kommt auch ursprünglich von dir. Ich habe ihn bei dir zum ersten Mal gehört. Wie würdest du das definieren? Was ist toxische Persönlichkeitsentwicklung?

Inga: Ja, sicherlich kommt der Begriff nicht von mir, ich habe ihn auch irgendwo gehört. Aber schön, wenn du ihn bei mir zum ersten Mal gesehen hast.

Lilli: Ja, ich verbinde ihn mit dir.

Inga: Super. Toxische Persönlichkeitsentwicklung ist sicherlich sehr vielschichtig, aber was mir da immer so als erstes im Sinn kommt, ist dieses plakative:

du bist deines Glückes Schmied! Du hast alles in der Hand! Wer will, der kann! Und man muss nur genug wollen und dann klappt das schon! Ach ja, und: du kreierst alles in deinem Leben! Und du kreierst deine gesamte Welt und solche Sachen.

Lilli: Investierst.

Inga: Ja, genau. Weil ja, bis zu einem gewissen Grad stimmt das, aber nicht pauschalisierbar.

Und das ist mir vor, ich glaube, drei Jahren so richtig klargeworden, als ich einem Webinar drin saß und auch von irgendeinem relativ bekannten Life-Coach, ich weiß gar nicht mehr, wer es war, das war natürlich umsonst, und ich konnte mir schon da nicht so wirklich viel draus mitnehmen, weil das irgendwie so Standardfloskeln waren.

Ständig wurde mir erzählt, jetzt kommt es gleich, jetzt kommt es gleich. Und am Ende gab es dann nur den Upsale. Und dann waren es irgendwie 600 Euro. Und zu dem Zeitpunkt hatte ich 600 Euro im Monat zur Verfügung. Und dann hat er gemeint: ja, und wer jetzt wirklich will, der schlägt jetzt zu, weil sowas kommt nie wieder. Und ich will keinen Zweifler in meinem Kurs haben.

Dann dachte ich so: Punkt Nummer eins, du hast wirklich drei Minuten was zu dem Programm erzählt, als ob ich jetzt direkt 600 Euro investiere. Punkt Nummer zwei: das ist das Geld, was ich im Monat zur Verfügung habe.

Ich kann doch jetzt nicht einfach mein ganzes Geld ausgeben. Das hat doch nichts damit zu tun, dass ich Zweiflerin bin.Und da ist es mir so das erste Mal bewusst geworden, dass ich nicht in Ordnung finde, wie hier mit potenziellen Kund*innen oder einfach generell mit Menschen umgegangen wird.

Mit welcher Sichtweise man hier auf Menschen schaut. Und dass man sagt: ja, wer das nicht bereit ist zu investieren, so im Sinne von, die Person hat es nicht verdient, die will es nicht genug, die ist armselig oder was auch immer.

Manche sprechen ja auch von Enten und Adlern. Ja, willst du eine Ente oder ein Adler sein?

Lilli: Ja, oh Gott.

Inga: Und ich finde das einfach so menschenunwürdig, weil es stellt jede Art von Privilegien, die man haben könnte, so weg. Als ob es das nicht geben würde. Als ob es keine Privilegien in dieser Welt gebe.

Als ob es kein Privileg wäre, dass wir in Deutschland geboren sind, dass du und ich jetzt weiß sind und vielleicht auch in Familien groß geworden sind, die keine größeren finanziellen Probleme hatten. Das sind alles so Sachen, da ist es mir so das erste Mal gewusst geworden. Und ich bin auch sehr privilegiert groß geworden.

Und auch die 600 Euro damals hatte ich als Unterhalt. Ich musste dafür nicht mal arbeiten. Aber klar, ich habe studiert und alles. Aber es gibt andere Lebensrealitäten. Und die werden komplett verkannt.

Und das finde ich extrem gefährlich, weil dadurch auch so ein Denken entsteht, das habe ich auch bei mir gemerkt, dass ich dann angefangen habe so zu denken, wie: ja, wenn XY das nicht macht, hat die nur eine schlechte Einstellung.

Lilli: Ein Mindset-Problem.

Inga: Ja, die hat ein Mindset-Problem, ist irgendwie so negativ.

Lilli: Selbst schuld.

Inga: Ja, genau. Oder auch dieses: wenn du mit den Menschen, mit denen du an einem Tisch sitzt, nichts lernen kannst oder die dich nicht inspirieren, dann verlasse den Tisch. Wie unmenschlich ist das einfach? Aber ich habe eine Zeit lang auch so gedacht, weil ich das ständig mit jedem Podcast mitbekommen habe, dass ich geil bin, wenn ich kann, tue und mache.

Aber dass das mit Privilegien zu tun hat, darüber wird nicht gesprochen. Und das fand ich schlimm, als ich dann da endlich mal auf den Trichter gekommen bin. Und das ist das, was ich so toxisch finde, weil es sehr unmenschlich ist und weil es die Schuld, wenn man etwas im Leben nicht erreicht, hat oder kann, immer auf uns selbst schiebt. Und das finde ich extrem scheiße.

Lilli: Ist es auch, ja.

Inga: Weil es einfach auch nicht stimmt. Ich glaube, so das Krasseste, das war dann eher so eine Spiri-Esoterik-Welt, was ich mal gehört war, dass es Seelenverträge gibt, dass wir schon Verträge im Space machen, bevor auf die Welt kommen und dann miteinander ausmachen, der sich was antut, damit wir diese Erfahrung machen, weil Seelen das sonst nicht erfahren können.

Und das fand ich so irre, weil damit wird auch jede Art von psychischer und körperlicher Gewalt legitimiert. Das finde ich extrem gefährlich, weil dann ist es wieder bei dem Opfer, der Person, die von welcher Art von Gewalt auch immer betroffen ist.

Ja, das hat deine Seele, ja. Hast du ja vereinbart. Dann bin ich ja wieder schuld, was trotzdem schlimm ist und das Menschen in den Suizid treiben kann. Nein, das ist für mich einfach eine Wischi-Waschi-Erklärung. Und das ist vielleicht ganz schön, einfach und sehr in Watte gepackt.

Sicherlich wird es viele Menschen geben, denen das guttut, aber ich glaube, dass das bei vielen Menschen, nicht bei allen, mehr Schaden als Nutzen anrichtet. Und das finde ich an einem guten Teil der Persönlichkeitsentwicklung so gefährlich. Es sind ja nicht alle so.

Lilli: Ja, da hast du ganz schön viel angesprochen, das ich auch aus meiner Erfahrung mit der Persönlichkeitsentwicklung und spirituellen Szene kenne. Ich finde, da sieht man auch so diesen krassen Individualismus. Hauptsache mir geht es gut und ich bin für alles verantwortlich, was mir passiert oder nicht passiert.

Und da werden die gesellschaftlichen Systeme komplett negiert, ja. Sei es Sexismus, Rassismus, wo ich persönlich als Individuum nichts dafür kann und jetzt auch nicht in großer Weise darauf einwirken kann. Ja, total schwierig.

Inga: Und dann wird auch sehr oft mit Inspiration Pollen gearbeitet. Dann gibt es die eine Person, die vielleicht schwarz ist und aus den schlimmsten, prekärsten Zuständen kommt, die hat es geschafft. Dann kann es auch jeder andere auch. Ich meine, ich habe vor ein paar Jahren einen Vortrag gehalten, da habe ich das genauso gemacht.

Da habe ich auch eine Person vorgestellt, die wirklich nicht die einfachsten Umstände hatte, um ins Leben zu kommen. Ich habe gesagt: wenn der das kann, dann kann ich ja nicht behaupten, dass ich es nicht kann. Heute denke ich mir: wieso habe ich das? Dass ich das nicht erkannt habe. Aber das habe ich damals geglaubt.

Und natürlich kann das inspirierend sein. Und diese Person stellt sich auch selber in die Welt. Aber viele Menschen wollen ja gar nicht so verwendet werden. Möchten nicht als Inspiration verwendet werden. Wollen nicht, dass ihre Hautfarbe, Behinderung, was auch immer als Inspiration verwendet wird, was ich mittlerweile auch total verstehe und auch nicht mehr machen würde.

Aber das wird auch sehr gerne so benutzt, um auch wieder in uns diese Schuldgefühle zu erwecken. Ja, wenn XY das geschafft hat, und die Person es viel schwerer als ich hatte, dann muss ich es ja auch schaffen können. Dann darf ich jetzt nicht so rumjammern.

Und das finde ich einfach super gefährlich, weil das in uns einfach so Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle auslöst, die nicht notwendig wären. Und nur weil XY es geschafft hat, wir wissen nicht, welches Glück die Person hatte oder welche Umstände vielleicht einfach auch gar nicht bekannt sind, warum er oder sie es dorthin geschafft hat.

Und es ist dann auch wieder so dieses: wann hat man es denn geschafft? Was ist denn jetzt der Erfolg? Ist man unerfolgreich, wenn man andere Menschen im Haushalt unterstützt und damit vielleicht keine 100.000 Euro oder mehr im Jahr damit verdient? Oder ist man als Erzieher unerfolgreich, oder? Ja. Das sind dann auch wieder so die Sachen. Es ist sehr komplex.

Lilli: Wahnsinnig komplex, ja. Da können wir nochmal eine eigene Folge drüber machen.

Inga: Ja.

Lilli: Warte, jetzt habe ich noch einen Gedanken dazu gehabt. Genau. Es baut ja auch wahnsinnig viel Druck auf. Wenn alles auf meinen Schultern lastet und ich kann alles erreichen, was ich möchte, wenn ich mich nur genug anstrenge, egal welche psychischen, körperlichen oder systematischen Einschränkungen ich habe. Das ist wahnsinnig viel Druck.

Inga: Ja.

Lilli: Und ja, ich habe jetzt auch mit einer gesprochen, die hat gesagt: ich war da eigentlich jahrelang Ableismus ausgesetzt, weil ich nicht wusste, dass ich ADHS habe. Und ich kann einfach nicht die ganze Zeit in meinem Highest Self sein. Und auch, wenn ich mich noch so sehr anstrenge, es geht einfach nicht. Und ja, das ist auch nochmal so eine Komponente davon.

Inga: Ja, dass wir es auch gar nicht mehr wahrnehmen, dass bestimmte Sachen nicht in Ordnung sind. Das ist ja eh schon in unserer Gesellschaft so verhaftet. Gerade, wenn man so das Thema Sexismus ansieht.

Ich hatte ja bis Anfang des Jahres noch einen dritten Instagram-Account, wo ich auch sehr viel Persönliches und Kritisches geteilt habe, bis ich dann so gesagt habe: okay, dass ich das jetzt auch am Designkanal machen möchte.

Und da habe ich auch mal über das Thema, ich weiß gar nicht mehr, ich glaube, es war Kleidung, genau, da ging es um die Bekleidung von uns Frauen. Dann habe ich auch so geschrieben: ja, ich hatte jetzt das und das an. Und ich habe mich nicht getraut, damit alleine rauszugehen. I

ch bin mit dem Taxi zur Veranstaltung gegangen, damals ging es noch, damals konnten wir zu Veranstaltungen fahren. Und bin dann mit einem Freund zurück in der Bahn und ich habe gemerkt, wie Menschen auf mich reagieren, weil ich das anhabe. Und dann meinte die Person: ja, darf man jetzt nicht mal mehr gucken?

Und das auch eine Frau. Das ist auch dieses, was wir in uns drin haben. Wir verkennen selbst, dass es Diskriminierung und problematische Strukturen gibt. Und ja, machen uns dafür runter, wenn wir es ansprechen. Und das finde ich auch richtig schwierig. Und da hoffe ich auch, dass ich da so ein bisschen mit meiner Arbeit gegenwirken kann.

Lilli: Ja, tust du auf jeden Fall. Du hast gerade schon deine Arbeit angesprochen. Da möchte ich nochmal auf den Zero-Waste-Aspekt eingehen. Hast du da vielleicht für uns Tipps, wie wir im Alltag und im Beruf, vor allem auch als Selbstständige mit eigenem Unternehmen, unnötigen Müll und CO2-Ausstoß vermeiden können?

Ich weiß, das ist ein großes Thema. Aber was wäre sowas, was ich heute oder morgen zum Beispiel umsetzen kann? Oder was sind so erste kleine Schritte, wenn ich mich damit vielleicht noch gar nicht beschäftigt habe?

Inga: Ja, was man auf jeden Fall machen kann, ist grün wählen. Das ist schon mal gut, so viel wir individuell machen können. Ich möchte jetzt nicht demotivieren, aber die Politik muss mehr machen, sonst haben wir echt schlechte Karten. Und das ist auch so eine Erkenntnis, die ich ihn den letzten Jahren hatte.

Die ist nicht schön, aber deswegen sage ich das mittlerweile immer als erstes, weil mir das einfach so wichtig ist. Auch hier sind wir nicht als Individuen alleine verantwortlich, sondern die Regierungen müssen da echt viel tun.

In Deutschland haben wir ja dieses Jahr wieder die Bundestagswahlen. Ich hoffe so sehr, dass wir mal eine grüne Regierung bekommen. Das wäre echt schön. Die Grünen sind auch nicht perfekt, aber naja, besser als alles andere.

Lilli: Ja, besser als andere Alternativen, ja.

Inga: Ja. Nur das ganz kurz dazu. Und jetzt aber zu dem, was wir individuell sonst noch tun können. Im Alltag ist es definitiv, wenn es um das Thema CO2-Reduktion geht, saisonale, regionale und pflanzliche Ernährung. Das macht super viel aus. So viel unverpackt, wie es geht, einkaufen.

Wenn man einen Unverpackt-Laden hat, gerne den nutzen. Oder bei der Biokiste bestellen, falls man sowas vor Ort hat. Ansonsten würde ich eh sagen, so Mobilität, auch versuchen, so viel wie möglich zu Fuß oder Fahrrad zu fahren. Einfach ja eigentlich so diese Standardtipps.

Und im Business kann man auch super viel machen, indem versucht, so wenig wie möglich Sachen zu drucken, Rechnungen zum Beispiel alles digital machen, wenn es geht. Es gibt ja mittlerweile auch so viele tolle Möglichkeiten. Man muss Rechnungen nicht mehr ausgedruckt verschicken. Generell so papierlos wie möglich.

Ich bin da sicherlich nicht das beste Vorzeigemodell, weil ich immer noch mit Handschriftlichem am besten arbeiten kann, weil ich super viele Notizen, meinen Tagesplan schriftlich mache und das auch nicht missen möchte. Aber hier muss einfach wirklich jeder Mensch gucken, was individuell am besten passt.

Wir alle sind unterschiedlich. Viele kommen mega gut damit klar, alles digital zu machen. Dann go for it, mache es digital. Aber kaufe dir bitte nicht extra ein neues iPad oder so dafür, sondern wenn du was Neues brauchst, dann gucke es erstmal, ob es das gebraucht gibt. Das ist auch das Näheste.

Gerade viele, die ja jetzt im Home-Office arbeiten, wenn man irgendwelche Elektronik neu braucht, erstmal gucken, ob es das gebraucht gibt. Es gibt mittlerweile echt tolle, seriöse Anbieter.

Ich weiß nicht, wie es bei euch in Österreich ist, aber im deutschsprachigen Raum ist zum Beispiel Asgoodasnew eine mega gute Anlaufstelle. Von denen habe ich meinen Rechner. Und dann gibt es noch Backmarket. Von denen habe ich mein Handy. Und die sind wirklich richtig cool, weil du kannst da auch so verschiedene Gebrauchszustände auswählen.

Die haben superviele neue Sachen. Auch richtig High-Tech-Produkte. Und man muss eigentlich nichts mehr an Elektronik neu kaufen. Es ist nicht nur nachhaltiger, sondern in der Regel auch günstiger. Genau.

Lilli: In kenne in Österreich noch Refurbed oder so. Habt ihr das auch?

Inga: Stimmt, ja. Refurbed gibt es in Deutschland auch, ja.

Lilli: Kann ich gerne in den Shownotes verlinken. Danke für die Tipps.

Inga: Ja.

Lilli: Wir hatten es letztens auch in der Kundenmagnetgruppe mit zum Beispiel Website-Hosting, dass man da auch einen Host aussuchen kann. Worauf kommt es da genau an? Ob der die Server zum Beispiel in Deutschland hat? Dass die Datenmengen nicht so weite Wege zurücklegen, oder?

Inga: Genau. Ich bin jetzt beim Thema Internet-Nachhaltigkeit nicht ganz so tief drin. Aber da gibt es auch einiges, worauf man achten kann. Beim Hoster würde ich darauf gucken, dass die mit erneuerbarer Energie arbeiten. Also Solar, Wind oder Wasser am besten. Am besten ist, glaube ich, tatsächlich Solar oder Wind.

Dass die am besten auch mit einem echten Ökostrom-Anbieter zusammenarbeiten. Nicht irgendwie der Ökotarif von RWE, weil das ist leider nicht nachhaltig, sondern mit Naturstrom, Polarstern oder wie sie alle heißen. Da gibt es ja viele verschiedene Möglichkeiten.

Das sind jetzt die deutschen. Genau, das. Vielleicht, dass die auch noch ein bisschen mehr darüber sprechen. Wie sind ihre Serverfarmen aufgebaut? Natürlich, in Deutschland wäre es immer am besten. Aber was machen sie so inhäusig? Da gibt es sehr viele verschiedene Varianten.

Ich bin jetzt mit meiner neuen Website bei Bio-Host. Die haben auch einen richtig tollen Service. Die sind mega freundlich. Das ist auch noch kein riesiger Anbieter. Die finde ich richtig gut.

Ansonsten, soweit ich weiß, ich bin keine Webdesignerin, deswegen bin ich da nicht ganz so tief drin, kann man immer gucken, dass die Bilder, die man auf der Website hat, nicht so extrem hoch aufgelöst sind, weil die einfach die Ladezeit verlängern. Das braucht wieder mehr CO2. Dass man nicht so viele Plug-Ins installiert hat.

Und beim Thema E-Mails, dass man wirklich regelmäßig die E-Mails ausmistet und nicht irgendwie 2.000, 3.000 E-Mails anhäufen lässt, nur weil es geht, weil jede E-Mail auch wieder CO2 verbraucht, auch wenn sie nur rumliegt.

Und da kann man auch im Kleinen auf jeden Fall was verbessern. Genau. Und wenn man die eigene Website wirklich grüner machen kann, kann ich die IT-Bienen empfehlen. Die bieten direkt an, sich die Website anzugucken und dann nachhaltig zu optimieren.

Lilli: Super.

Inga: Das muss ich dieses Jahr auch noch machen.

Lilli: Cool, dankeschön. Habe ich auch für die Shownotes notiert. Gut. Zwei Fragen habe ich noch für dich. Du hast mal auf Instagram das Aktivist*innen-Burnout angesprochen oder thematisiert.

Inga: Ja.

Lilli: Was ist das genau? Oder hast du es beziehungsweise wie hast du es selbst erlebt?

Inga: Ja, ich habe das letztes Jahr selbst erlebt. Sicherlich gibt es da verschiedene Definitionen. Für mich war es damals so, ich habe auch durch Corona angefangen, mich mit sehr viele Themen gleichzeitig zu beschäftigen. Und das Thema Nachhaltigkeit, Klimakrise war davor schon sehr präsent.

Und wenn man da tief drin ist, kann das schon sehr mutlos machen. Und wenn man dann sich auch noch anfängt mit Rassismus, Ableismus, Homofeindlichkeit und was weiß ich, mit diesen ganzen gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen und erstmal anfängt zu verstehen, wie viel Mist eigentlich so abläuft.

Und dann vielleicht noch so ein Mensch wie ich ist, die sich am liebsten für alles gleichzeitig einsetze würde und am liebsten alles verändern und alles richtig machen würde. Vor allem ist mir klar, dass ich Deutschland oder die Welt nicht umkrempeln kann, aber ich würde am liebsten selber alles richtig machen.

Und das führt dann schnell zu diesem Doomscrolling, dass man zum Beispiel durch Instagram scrollt und sich nur noch die ganzen schlimmen Sachen reinzieht, weil man vielleicht 20, 30, 40 oder mehr Accounts folgt, die nur herausfordernde Themen besprechen.

Oder was heißt herausfordernde Themen? Das klingt auch schon wieder so abwertend. Ich meine, einfach Themen, mit denen man sich vorher vielleicht nicht beschäftigt hat, weil man nicht davon betroffen ist und die man sich dann anguckt und dann erstmal erkennt, wofür man so lange blind war. Und das ist keine schöne Erkenntnis.

Gleichzeitig ist es auch ein Privileg, dafür blind zu sein und nicht hinzugucken. Die Menschen, die betroffen sind, können ja nicht einfach weggucken. Aber ja, genau, von diesem Burnout war ich letztes Jahr, würde ich jetzt mal sagen, betroffen, wo ich dann auch wirklich in meinem ersten Monat, wo ich mal gesagt habe, so, ich mache jetzt ein Monat Urlaub.

Als ich einfach dann nur noch auf dem Bett lag und an die Decke gestarrt habe und auch echt Angst hatte, dass ich jetzt in eine Depression rutsche, weil es mir nicht sehr gut ging. Und was ich dann gemacht habe, ist, dass ich mir einen extra Kanal auf Instagram angelegt habe, wo ich jetzt nichts teile oder so, sondern all den Menschen folge, wo ich weiß, das ist mir wichtig.

Ich möchte diese Inhalte konsumieren. Aber ich kann sie nicht jeden Tag in gleicher Menge konsumieren. Und so habe ich für mich so ein bisschen eine Schranke gesetzt, wann ich mir diese Themen ranhole. Mittlerweile ist es nicht mehr so klar getrennt.

Ich bin wieder ein paar auf meinen normalen Accounts gefolgt. Aber hatte einfach dadurch, dass ich einmal wirklich „umgelagert“ habe, wirklich mal so eine Atempause, wo ich dann einfach mal Luft holen konnte und angefangen habe, selbst zu entscheiden, wann ich mich womit beschäftige.

Und dann habe ich auch für mich jetzt mittlerweile echt eine ganz gute Balance gefunden, wann ich mich mit welchen Themen wie beschäftige. Und das ist auch der Grund, warum ich vorhin bei Zero Waste Deutschland gesagt habe, klar, kann man immer noch neue Themen aufarbeiten, aber dafür fehlt mir teilweise echt auch die Kraft.

Weil das so aufwühlend sein kann und ich Themen wirklich sehr doll mitnehme und das teilweise einfach sehr hoffnungslos machen kann, wenn man nicht zu sehr in das, was alles nicht gut läuft, auch in puncto Klimakrise reinarbeitet. Und da ist es dann einfach wichtig, dass wir uns dann schon auch selber schützen.

So privilegiert das am Ende auch ist, dass wir das machen. Ich denke, es ist wirklich keinem Menschen geholfen, wenn wir, keine Ahnung, im Worst Case wirklich sagen, das Leben hat keinen Sinn mehr und uns das Leben nehmen, weil es einfach nicht mehr aushaltbar ist. Diese Situation gibt es ja auch. Es ist ja jetzt auch nicht erfunden.

Und deswegen denke ich wirklich, da muss oder darf jeder Mensch für sich so eine eigene Balance finden. Wann setze ich mich womit aus? Wichtig ist, dass man nicht wegguckt. Und wenn man kritisiert wird, dass man dann nicht sagt: ach ja, damit beschäftige ich mich jetzt nicht, weil dann brennt es, dann sollte man das nicht tun.

Aber dass man nicht von sich selbst erwartet, dass man a.) immer perfekt ist und b.) dass man jeden Tag in gleicher Menge sich mit allem beschäftigen kann. Weil das geht nicht. Diesen Anspruch haben wir wahrscheinlich auch nicht an unsere nächsten Mitmenschen. Und deswegen brauchen wir den auch nicht an uns selber haben.

Und vielleicht auch hier noch, ich gehe auch immer mal wieder auf meinen persönlichen Mentalzustand ein, der schwankend ist. Und deswegen bin ich auch in Therapie. Und das finde ich auch wichtig, dass wenn wir merken, dass es uns nicht gut geht, wir versuchen, uns irgendwie Unterstützung zu holen.

Weil es kann natürlich sein, muss natürlich nicht, dass man irgendwann an dem Punkt ist, dass das gar nicht mehr geht und dann sich um einen Therapieplatz zu kümmern, fehlt dann vielen Menschen die Kraft. Und da muss man vielleicht noch warten.

Und deswegen, wenn man merkt, es geht mir irgendwie nicht gut, sich so zügig wie möglich einfach Unterstützung suchen, sei es wirklich eine Therapie, eine psychiatrische Unterstützung oder auch eine Selbsthilfegruppe. Das kann ja auch schon mega hilfreich sein. Einfach, damit man damit auch nicht so alleine ist.

Weil am Ende sind wir nicht mit unseren Sorgen alleine. Auch ich bin mit meinen Gedanken nicht alleine, aber man fühlt sich sehr schnell alleine, weil wir uns immer nur in unserem eigenen Kopf drehen.

Und wenn man dann vielleicht nicht mal ein Umfeld hat, was da so mitzieht oder keinen Bock drauf hat, dann kann das schon echt richtig ätzend sein. Deswegen go for mental support.

Lilli: Danke, dass du das geteilt hast. Das war jetzt tatsächlich auch meine letzte Frage, dass du auch in deinem Content immer wieder über mentale Gesundheit und damit auch über deine eigene Psychotherapie und Erfahrungen sprichst.

Das auch teilst und das damit auch viel entstigmatisierst und, ja, einfach den Menschen zugänglicher machst, die vielleicht dann auch Berührungsängste haben oder sich denken: oh nein, was bedeutet das über mich, wenn ich mir Hilfe suche?

Inga: Ja.

Lilli: Genau.

Inga: Danke, dass du es auch nochmal sagst und ansprechen wolltest. Das ist mir tatsächlich auch mega wichtig.

Und ich bin super happy, weil ich tatsächlich jetzt schon ein paar Mal Nachrichten bekommen habe, wo mir Menschen geschrieben haben: danke, dass du das immer so teilst, ich habe mir jetzt auch Hilfe gesucht, weil du mir Mut gemacht hast. Dann denke ich mir so, ja

Lilli: Wow.

Inga: go for it. Weil uns scheint nicht allen immer die Sonne aus dem Arsch. Und das ist auch okay. Und die Welt, in der wir leben, ist nicht einfach.

Wir leben seit einem Jahr in einer globalen Pandemie, die auch sehr viel aufgewühlt hat und indirekt in uns, unseren Familien und unserer Gesellschaft was hochgebracht hat. Und das müssen wir nicht alleine schaffen. Und ja, das ist mir einfach echt sehr wichtig.

Lilli: Inga, ein wunderschönes Schlusswort. Ich bin auch gespannt, was wir jetzt alle draus machen, was das letzte Jahr alles so hochgewirbelt hat. Ich bin auch froh, dass es Menschen wie dich oder unsere Communitys gibt, die da nicht sagen, es ist super spirituell, wenn du keine Nachrichten schaust, dich nur auf dich selbst konzentrierst und jeden Tag meditierst.

Dann wird schon alles gut. Und dann hebst du die Energie der Welt an. Da habe ich gedacht: wie funktioniert das dann genau, wenn ich gar nicht weiß, was abgeht? Wie soll ich dann was ändern? Ja.

Inga: Ja. Eh. Ich gucke durchaus Nachrichten. Und klar, positive Vibes sind gut, aber wir können nicht nur die haben, sonst machen wir einfach die Augen vor den Dingen zu. Und wie du sagst, dann können wir auch nichts ändern, wenn wir es gar nicht erst probieren.

Lilli: Aber ich fand nochmal den Hinweis gut, dass man sich auch nicht ständig dem aussetzen muss und da auch Grenzen ziehen sollte und darf. Vielen Dank dafür. Gut. Wo können wir dich denn im Internet finden? Und was bietest du aktuell an?

Inga: Zum einen natürlich jetzt erstmal das Nicht-Kommerzielle bei Zero Waste Deutschland. Einfach zero-waste-deutschland.de oder bei Instagram zero_waste_deutschland. Es gibt, glaube ich, noch einen anderen Kanal, der so heißt, aber es gibt nur einen, der so groß wie meiner ist. Und ihr findet ihn dann. Genau.

Und dann meine grafische Arbeit oder auch meine Mentoring-Arbeit gibt es unter Marbleous-studio.de oder auch bei Instagram unter marbleous.design. Und genau, was biete ich an? Ich biete Brandings für werteorientierte Selbständige oder kleine Unternehmen an.

Ich sage kleine Unternehmen, weil bisher noch kein großes kam. Mal gucken, vielleicht kommen die nochmal. Genau. Ich bin auch Layout-Design für so Workbooks oder Journals an, wie ich das für dich auch machen durfte.

Und ab Herbst wird es dann auch offiziell das Mentoring-Programm für Menschen, die sich selbstständig gemacht haben oder schon ein bisschen selbstständig sind, geben, denen aber einfach noch so der rote Faden fehlt.

Die gerne sichtbar sein möchten und die einfach auch so werteorientiert selbstständig sein wollen und lernen möchten, wie das geht, ohne sich am Ende daran total aufzureiben. Genau.

Lilli: Cool.

Inga: Das ist so das, was ich anbiete.

Lilli: Super.

Inga: Und meinen Etsy-Shop natürlich.

Lilli: Ja.

Inga: Wenn sie mal schnuppern wollen.

Lilli: Genau, da gibt es vor allem Canva-Vorlagen und Workbooks.

Inga: Genau. Und auf meiner Website gibt es auch fünf Canva-Vorlagen for free.

Lilli: Kann ich auch gerne verlinken. Canva-Vorlagen, super. Gut, liebe Inga, vielen Dank, dass du deine vielen Tipps und Anregungen mit uns geteilt hast und auch deine Offenheit, über alle möglichen Themen und eigene Erfahrungen zu sprechen. War sehr schön, wie immer. Und ich hoffe, dass das ganz viele Menschen erreichen wird. Danke dir.

Inga: Vielen Dank, dass ich hier sein durfte, Lilli.

Lilli: Super, gerne. Jederzeit wieder gerne.

Links:

Zur Podcast-Folge mit allen Infos, Bildern und Transkript: https://lillikoisser.at/33/ 

Marbleous Studio: https://www.marbleous-studio.de/ und https://www.instagram.com/marbleous_studio/

Ingas Etsy-Shop: https://www.etsy.com/de/shop/MarbleousStudio 

Zero Waste Deutschland: https://www.zero-waste-deutschland.de/ und https://instagram.com/zero_waste_deutschland 

Ingas Tipps für gebrauchte Technik:

as good as new: https://asgoodasnew.de/ 

BackMarket: https://www.backmarket.at/ 

refurbed: https://www.refurbed.at/ 

Ingas Tipps für nachhaltiges Hosting und IT

BIOHOST: https://www.biohost.de/ 

it-bienen: https://www.it-bienen.de/ 

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